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24-STUNDEN-ULTIMATUM AN DIE NATOSerbien droht Kosovo mit Krieg

Präsident Vucic: „Wenn das Pogrom an unserer Bevölkerung anhält, wird Serbien reagieren“

Droht ein neuer Krieg auf dem Balkan?

Der Streit um Kfz-Kennzeichen zwischen Serbien und dem Kosovo könnte sich binnen Stunden zu einem neuen bewaffneten Konflikt zwischen Russlands Verbündeten und Belgrad und der von der Nato geschützten Regierung in Pristina entwickeln.

Am Sonntagabend versetzte Serbien Teile seines Militärs in erhöhte Alarmbereitschaft.

Grund für die Spannungen: Seit Mitte September müssen serbische Besucher an der Grenze zum Kosovo ihre Kfz-Kennzeichen gegen provisorische kosovarische Nummernschilder tauschen, um in den Kosovo zu gelangen.

Die Regierung in Pristina reagierte mit der Verordnung auf den Umstand, dass Serbien seinerseits die vom Kosovo nach der Unabhängigkeitserklärung von 2008 eingeführten Kfz-Kennzeichen nicht anerkennt.

Doch serbische Kosovaren weigern sich, ihre Kennzeichen zu tauschen. Daraufhin schickte die Regierung des Kosovo vor einer Woche eine Sonderpolizeieinheit zu den Grenzübergängen Jarinje und Brnjak, um die Kennzeichen-Verordnung durchzusetzen.

Kosovo-Serben blockieren darum die zwei wichtigsten Straßen nach Mitrovica, der größten Stadt der serbischen Minderheit im Kosovo.

Alles kein Grund zur Sorge, so könnte man denken. Doch in Belgrad, das von Moskau hoch gerüstet wurde, sieht man die Sache anders.

Seit Tagen verlegt die serbische Armee Panzer an die Grenze zum Kosovo, spricht von einer „Provokation“ des Kosovo, auf die man reagieren werde. Gestern flog sie in Sichtweite der Grenze und unter Jubel der Serben im Kosovo mit russischen MiG-29-Kampfflugzeugen im Tiefflug über das Gebiet.

Am Abend verkündete Serbiens Präsident Aleksandar Vucic, sein Land werde „für unser Volk kämpfen“, um die „Pogrome gegen Serben“ im Kosovo zu beenden. Vucic wörtlich: „Wenn wir nicht kämpfen, können wir nichts erreichen.“

Darum habe er Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg persönlich angerufen und dem Militärbündnis am Sonntagabend ein Ultimatum gestellt, das „Pogrom“ gegen seine Landsleute im Kosovo zu beenden.

Der Westen wolle „Serbien demütigen“, erklärte Serbiens Präsident Vucic am Sonntag in einem Interview. Er habe das Recht, sein Militär in Bewegung zu setzen und für Serben im Kosovo „zu kämpfen“Foto: ATTILA KISBENEDEK/AFP

Vucic drohte: „Wir werden 24 Stunden auf sie warten, um zu sehen, wie die NATO reagiert, wenn es ein Pogrom gegen Serben gibt. Wenn das Pogrom an unserer Bevölkerung anhält, wird Serbien reagieren und das nicht zulassen.“

Experten sehen zudem eine aktive Rolle Russlands in dem Konflikt. Der Kreml erkennt den Kosovo nicht als Land an und sieht ihn weiterhin als Teil Serbiens. Russland-Experte Jakub Janda vom „European Values Center for Security Policy“ in Prag sagte zu BILD, man dürfe nicht vergessen, „dass Serbien ein enger Verbündeter Russlands ist. Nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und von der konstruierten gemeinsamen Identität“.

Janda warnt: „Was wir aktuell sehen ist eine Eskalation gegen den Kosovo, in der Serbien und Präsident Vucic den politischen Einsatz erhöhen. Ohne Russlands diplomatischen und militärischen Verteidigungsschild wäre dies nicht möglich. Russland will eine Destabilisierung des westlichen Balkans und ich sehe eine Mitverantwortung des Kremls für die aktuellen Spannungen im Kosovo.“

NATO verstärkt Patrouillen

Die Nato-Friedensmission KFOR reagierte am Montag auf die Drohungen aus Serbien. Man habe „die Zahl und Dauer der Routinepatrouillen im gesamten Kosovo, auch im Norden des Kosovo, erhöht“, so ein Sprecher der Allianz zu BILD.

Die KFOR beobachte „die Situation im gesamten Kosovo genau und konzentriert sich weiterhin auf die tägliche Umsetzung ihres Mandats – abgeleitet aus der Resolution 1244 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen von 1999 – eine sichere Umgebung und Bewegungsfreiheit für alle im Kosovo lebenden Gemeinschaften zu gewährleisten“.

Bereits am Sonntag hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit dem Präsidenten Serbiens, Aleksandar Vucic, und dem Ministerpräsidenten des Kosovo, Albin Kurti, über „die Notwendigkeit im Norden des Kosovo zu de-eskalieren gesprochen“.

Dessen ungeachtet, verlegte Serbien am Montag weitere Militäreinheiten an die Grenze zum Kosovo. Minenresistente Fahrzeuge und gepanzerte Mannschaftstransporter bezogen nur drei Kilometer vom blockierten Grenzübergang Jarinje Stellung, wie BILD bestätigen konnte.

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