Blog

Österreichs Politik in den Fängen der Balkan-Mafia

Bedingt durch die Lage in Mitteleuropa gilt Österreich seit jeher als Tor zu den Balkan-Ländern. Als zentraler Knotenpunkt verbindet die Hauptstadt Wien Ost und West miteinander. Wie aus dem Sicherheitsbericht des österreichischen Bundesministeriums für Inneres hervorgeht, hat sich Österreich als wichtiger Stützpunkt der Balkan-Mafia etabliert. Für die kriminellen Geheimorganisationen ist der Schmuggel von Drogen, illegales Glücksspiel und Geldwäsche ein großes Betätigungsfeld. Mittlerweile sind die Clans vom Balkan noch gefürchteter als die sizilianische Cosa Nostra.

Mafia-Clans aus Serbien und Montenegro sind in Österreich besonders umtriebig und haben hier den größten Einfluss. Die mafiösen Banden manipulieren dabei Glücksspielautomaten und handeln mit Drogen. Im Februar 2021 gelang der Wiener Polizei ein Schlag gegen die Glücksspiel-Mafia aus dem Balkan. Bei einer Razzia im 15. und 22. Bezirk wurden in den Kellern von zwei Lokalen illegale Spielautomaten, Drogen, Waffen und auch mehrere Fälle von Geheimprostitution aufgedeckt.

Daraufhin sagte Finanzminister Gernot Blümel der Glücksspiel-Mafia den Kampf an, wie die Tageszeitung Heute veröffentlichte: „In Wien haben sich zuletzt wieder neue kriminelle Strukturen im Bereich des illegalen Glücksspiels angesiedelt. Die konsequente Arbeit der Finanzpolizei bringt diese mafiösen Banden aus dem Südosten massiv unter Druck. Der hohe Suchtfaktor von Glücksspiel führt dazu, dass süchtige Spielerinnen und Spieler häufig versuchen, ihre existenzbedrohenden finanziellen Verluste durch Begleitkriminalität auszugleichen. Besonders fatal ist die in Wien immer öfter auftretende Kombination aus illegalem Glücksspiel und Drogenkonsum. Wir werden auch weiterhin hart und konsequent gegen diese Kriminellen vorgehen und die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Polizei fortsetzen. Der Kampf gegen illegales Glücksspiel wird auch weiterhin forciert werden.“ (www.heute.at/s/mafia-keller-mit-gluecksspiel-und-prostitution-in-wien-100129784)Aus Insider-Kreisen heißt es, dass die Glücksspiel-Mafia in Wien ein riesiges Untergrund-Netzwerk betreibe; oftmals würden leerstehende Häuser genutzt. Der gelungene Schlag gegen die Betreiber des illegalen Casinos sei jedoch nur ein kleiner Teil einer großangelegten Operation gegen die Wiener Glücksspiel-Mafia. Was die Presse bisher über das Problem berichtet habe, sei nur „die Spitze des Eisberges“. (www.casino.org/de/nachrichten/wiens-problem-mit-der-gluecksspiel-mafia)

Der Drogenhandel macht das mafiöse Kerngeschäft aus und läuft über den Balkan.  Laut Dieter Csefan, Leiter des Büros zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität im Bundeskriminalamt, wird circa 80 Prozent des Kokainhandels aus Südamerika von Balkankartellen organisiert. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass das Kokain via Kolumbien und Brasilien nach Europa kommt. In Brasilien gibt es niemanden, der serbisch bzw. montenegrinisch spricht, und somit fehlt es der Polizei schlichtweg an Übersetzern. (https://kurier.at/chronik/oesterreich/mafiareport-die-organisierte-kriminalitaet-in-oesterreich/400408940)

Dem Nachrichtenmagazin Profil zu entnehmen, wurde im Juli 2020 ein Bericht der in Genf ansässigen Organisation Globale Initiative gegen transnationales Organisiertes Verbrechen unter dem Titel „Transnationale Tentakel. Globale Hotspots der organisierten Balkan-Kriminalität“ veröffentlicht. Diese Studie belegt, dass Kriminelle aus den sogenannten Westbalkan-Staaten (Serbien, Montenegro, Bosnien, Nordmazedonien, Albanien und Kosovo) auf der ganzen Welt präsent sind – nicht zuletzt in Österreich – und veranschaulicht, wie aus kleinen Provinzkriminellen globale Player des internationalen organisierten Verbrechens geworden sind. „Gruppen aus der (Balkan-)Region erwiesen sich als modern, dynamisch und unternehmerisch denkend, als anpassungsfähig, innovativ und aufgeschlossen gegenüber neuen Technologien wie verschlüsselter Kommunikation oder Geldwäsche mittels Kryptowährungen“, heißt es in dem Bericht: „In den vergangenen 20 Jahren stiegen sie in der Verwertungskette auf. Aus kleinen Gaunern und Kurieren wurden gewichtige Drogenverteiler in Netzwerken, die von Lateinamerika bis Westeuropa und Südafrika reichen.“ (https://www.profil.at/ausland/kommunismus-krieg-und-koks-der-lange-arm-der-balkanmafia/400983317)

Wie die österreichische Tagespresse berichtete, spielten sich im Dezember 2018 in der Wiener Innenstadt unweit des Restaurants Figlmüller dramatische Szenen ab: Der 32-jährige Vladimir Roganovic wurde von einem unbekannten Auftragskiller mit elf Schüssen getötet, sein Begleiter wurde mit vier Schüssen schwer verletzt. Das Mordopfer gehörte dem mafiösen Kavac-Clan an, der seinen Namen nach einem Stadtviertel von Kotor (eine mediterrane Handels- und Hafenstadt an der montenegrinischen Adria-Küste) trägt. Der Clan führt seit Jahren einen regelrechten Krieg mit dem ebenfalls nach einer Kotor-Siedlung benannten Skaljari-Clan. Hintergrund der blutigen Fehde soll ein Streit um Drogen-Geschäfte sein. Die eine Bande soll der anderen Ende 2014 rund 200 Kilo Kokain gestohlen haben, das in einer Wohnung im spanischen Valencia gebunkert war. Darauf starteten blutige Abrechnungen, zuerst in Valencia, danach in Montenegro, in Serbien und in Athen. In der griechischen Hauptstadt soll dabei einer der Anführer des Skaljari-Clans ermordet worden seien. Mindestens 41 Personen sind seither eines gewaltsamen Todes gestorben – etwa durch Schusswaffenangriffe oder Autobomben, teils mitten in der Hauptstadt Podgorica, teils in Gefängnissen. (www.diepresse.com/5551316/wiener-mafia-mord-die-suche-nach-dem-schutzen-lauft-noch)

In diesem Zusammenhang gelang der montenegrinischen Polizei im April 2021 ein großer Schlag gegen die organisierte Kriminalität, wie die Veröffentlichungen auf https://orf.at untermauern: Der 58-jährige Boss des Kavac-Clans aus Kotor wurde festgenommen. Ihm werden schwere Verbrechen vorgeworfen, darunter auch die Organisation einer illegalen Vereinigung, welche Morde begangen haben soll. Ihm drohen bis zu 40 Jahre Haft. Der Kopf der besagten Mafia-Gruppe war bereits 2018 in Prag verhaftet und nach Montenegro ausgeliefert worden. Allerdings wurde er 2019 gegen eine Kaution von 500.000 Euro entlassen. Die Bluttat in Wien dürfte die Racheaktion für die Verhaftung  des Chefs des Kavac-Clans in Tschechien gewesen sein. (https://orf.at/stories/3210091)

An dieser Stelle sollte die Aufmerksamkeit auf ein brisantes Detail gelenkt werden, das die Enthüllungsplattform EU-Infothek aufdeckte: Es besteht zweifelsohne eine Verbindung zwischen der größten Politaffäre im Nachkriegsösterreich – Ibizagate – und eben dieser montenegrinischen Mafia-Bande. Der Privatdetektiv Julian Hessenthaler ist der Hauptdrahtzieher des Skandal-Videos, das die damalige türkis-blaue Regierung zum Sturz brachte, und wie die Recherchen von EU-Infothek belegen, kannte Hessenthaler das Mordopfer des Kavac-Kartells, „Vlado“ Vladimir R., sehr gut – ein intensiver Kontakt wurde gepflegt. Darüber hinaus ist der Ibiza-Detektiv auch Mitglied der sogenannten Grobari/Partisani. Die geheimen Telefonprotokolle weisen darauf hin, dass Vladimir dem Ibiza-Drahtzieher bei der Geldwäsche von den Erlösen, die Hessenthaler wahrscheinlich aus dem Rauschgifthandel erzielte, behilflich war. (www.eu-infothek.com/ibiza-gate-julian-thaler-das-serbische-killer-kommando-und-der-mord-in-der-wiener-innenstadt-am-21-12-2018)

Gemäß der Berichterstattung in der Tageszeitung Kurier sagte Hessenthaler im April 2021 im Ibiza-Untersuchungsausschuss aus und befindet sich derzeit wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts in U-Haft. Er soll zumindest 1,5 Kilo hochwertiges Kokain und eine unbekannte Menge nicht hochwertiges Kokain in Umlauf gebracht haben. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. (https://kurier.at/politik/inland/ibiza-detektiv-julian-h-soll-mundtot-gemacht-werden/401344073)

Eine Nähe zum Balkan zeichnet sich auch in politischen Kreise ab, allen voran in der FPÖ. Besonders rege in den Aktivitäten war dabei Heinz-Christian Strache. Medienberichten zufolge lud der ehemalige Vizekanzler im September 2018 – zwei Wochen vor den bosnischen Wahlen – den rechtsextremen Präsidenten der Republika Srpska, Milorad Dodik, nach Wien ein. Strache stand hinter seinem bosnischen Gesprächspartner und unterstützte auch Dodiks Kurs in der Migrationspolitik, die Ausbreitung des radikalen Islam zu unterbinden. (www.sn.at/politik/weltpolitik/strache-empfing-dodik-in-wien-40732285)

Der Ex-Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs macht auch keinen Hehl daraus, dass er den serbischen Kriegsverbrecher Zeljko Raznatovic (genannt Arkan) bewundert und im Jahr 2017 einen „geilen Typen“ nannte, wie die Tageszeitung DerStandard veröffentlichte. Strache steht offenbar schon lange unter dem Einfluss von extremen Nationalisten in Serbien, die für ihren notorischen Muslimenhass bekannt sind. Die Freundschaft mit den Rechtsextremen auf dem Balkan ging sogar so weit, dass Strache in einem Interview für die serbische Zeitung Politika im Jahr 2018 sagte, dass der Kosovo Teil von Serbien sei, was nicht der offiziellen österreichischen Regierungslinie, sehr wohl aber der serbischen Regierungslinie entspricht. (www.derstandard.at/story/2000107778407/straches-naehe-zu-den-geilen-typen-auf-dem-balkan)

Auch Johann Gudenus pflegt Freundschaften zu umstrittenen Politikern in Südosteuropa, wie etwa Dragan Markovic. Gemäß der Berichterstattung in der Tageszeitung Kurier sorgte der ehemalige FPÖ-Klubobmann im November 2017 für Furore, als er den Bürgermeister der serbischen Stadt Jagodina in Wien traf und zusammen mit ihm bei einem Galadiner ausgelassen feierte. Markovic selbst macht kein Geheimnis aus seinem Hass gegen Homosexuelle. Für ihn sei Homosexualität eine Krankheit. Wegen dieser Aussage wurde er bereits zu einer Geldstrafe verurteilt – ein Umdenken gab es aber nicht. Des Weiteren gilt der homophobe Serbe als klassischer Profiteur der Jugoslawienkriege: Markovic scheint in dunkle Geschäfte verwickelt gewesen zu sein, allerdings fehlen Beweise dafür. (https://kurier.at/chronik/wien/gudenus-und-markovi-ein-taenzchen-mit-dem-serbenfreund/298.885.980)

Für weitere Schlagzeilen sorgte Gudenus im Jänner 2018. Wie die Salzburger Nachrichten veröffentlichten, reiste der ehemalige FPÖ-Politiker am Nationalfeiertag der Republika Srpska in die bosnische Stadt Banja Luka. Der Anlass für seinen Besuch war ein feierlicher Akt: Milorad Dodik, der separatistische Präsident der serbischen Teilrepublik von Bosnien-Herzegowina, verlieh Gudenus einen Orden, um sich für den Einsatz der FPÖ für die bosnischen Serben erkenntlich zu zeigen. Dieser Festtag der bosnischen Serben am 9. Jänner wird vom Verfassungsgericht des Gesamtstaates Bosnien und Herzegowina als verfassungswidrig eingestuft. (www.sn.at/politik/weltpolitik/gudenus-bei-verfassungswidrigem-feiertag-in-republik-srpska-22735600)

Immer wieder häufen sich in der Presse die Berichte über die enge Verstrickung von Macht und Mafia in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien. Bereits vor etlichen Jahren deckten Medien auf, wie eng die Politik mit der organisierten Kriminalität am Balkan verflochten ist. Da es keine unabhängigen Aufsichtsorgane gibt, können alle korrupten Spitzenpolitiker ihre kriminellen Geschäfte machen, ohne zur Verantwortung gezogen zu werden. Als Paradebeispiel dient hier erneut der nationalistische Serbe Milorad Dodik, der an der Spitze der Teilrepublik Republika Srpska steht. Wie eine Spinne im Netz beherrscht er gemeinsam mit Kriegsverbrechern alle Verbindungen. Er kontrolliert eine Privatpolizei, und über das Finanzministerium werden großzügige Kredite der staatlichen Investitions- und Entwicklungsbank an Firmen von Dodik oder dessen Anhänger vermittelt. (www.merkur.de/politik/bosniens-politiker-stecken-tief-kriminellen-sumpf-zr-519023.html)

In all diesen kriminellen Machtnetzwerken spielen Frauen seit jeher eine tragende Rolle. In den Zeiten der Sowjetunion waren Luxushotels in Moskau, in denen westliche Politiker und Diplomaten abstiegen, in der Hand des KGB. Angestellte, vom Kofferträger bis zum Zimmermädchen, waren Informanten. Die verführerischen Agentinnen, die sich an der Bar anboten, lieferten schließlich das belastende Material für die Erpressungen, gefilmt durch Löcher in der Wand. (https://kurier.at/politik/ausland/russlands-geheimdienste-arbeiten-bis-heute-mit-venusfallen/241.003.511)

Auch die modernen Mafia-Clans am Balkan bedienen sich nach wie vor dieser Methode und stellen ihren Gegnern sogenannte Venusfallen auf. Die niederen Triebe eines Menschen werden gezielt dazu genutzt, um Zielpersonen zu erpressen. Mit der Waffe Sex betören Damen Spitzenpolitiker und Geschäftsleute, um so an Informationen zu gelangen.

Eine weitere Spur der Ibiza-Affäre führt nach Südosteuropa in die kriminelle Unterwelt. Der Privatdetektiv Julian Hessenthaler, der die gesamte Operation federführend plante und durchführte, setzte als Lockvogel für das Skandal-Video eine falsche russische Oligarchennichte mit dem Alias-Namen Alyona Makarov ein, die eine enge Vertraute von ihm ist. Bei ihrem lettischen Reisepass handelt es sich um ein gefälschtes Dokument, das ein Serbe in Belgrad ausstellte, wie Recherchen der Enthüllungsplattform EU-Infothek belegen. Der Ibiza-Drahtzieher trat vor Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus als Berater von Alyona Makarov auf.

Professor Gert Schmidt brachte ans Licht und bestätigte in einem Interview mit der Kronen Zeitung, dass es sich beim Ibiza-Lockvogel um eine bosnische Studentin der Agrarwissenschaften handle. Die Dame spreche vier Sprachen, darunter perfekt Russisch, und entspreche dem Frauentyp, der Strache gefällt. Sie soll pro Tag des Engagements 6.000 bis 7.000 Euro bezahlt bekommen haben. Außerdem konnte sie Gudenus mit Detailwissen über Jagd- und Forstwirtschaft derart beeindrucken, dass es schließlich zum legendären Treffen auf der Partyinsel Ibiza kam. Nach Aufdeckung der Affäre tauchte die junge Bosnierin unter und soll sich nun in der Republika Srpska versteckt halten. (www.krone.at/1929662)

An dieser Stelle kommt nun eine andere Frau mit ins Spiel, die neben Hessenthaler als Schlüsselfigur in der Causa Ibiza fungiert: Irena Markovic. Die Immobilienmaklerin, die zur Hälfte Serbin und zur Hälfte Montenegrinerin ist, stellte den Kontakt zwischen dem ehemaligen FPÖ-Politiker Johann Gudenus und der vermeintlichen russischen Oligarchennichte her. Markovic ist in den Prominentenkreisen von Wien bestens vernetzt und erlangte durch die Ausrichtung der Luxus-Clubbing-Reihe „Scandalous“ Bekanntheit. Regelmäßige und gern gesehene Gäste auf diesen Abendveranstaltungen waren unter anderem die ehemaligen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus sowie der Ibiza-Detektiv Julian Hessenthaler.

Markovic ist auch mit dem Wiener Anwalt Ramin Mirfakhrai bekannt, der als weiterer Drahtzieher des Ibiza-Videos gilt. Dieser kam auf die Luxus-Immobilienmaklerin zu, weil er eine potente Interessentin für ein riesiges Waldgrundstück der Familie Gudenus hatte, nämlich die falsche Oligarchennichte, die später zum Ibiza-Lockvogel wurde. Da er wusste, dass sie mit Tajana und Johann Gudenus befreundet war, bat er sie, den Kontakt zum ehemaligen FPÖ-Politiker herzustellen und stellte ihr für den vermeintlichen 300-Millionen-Deal (Kauf des Grundstücks und Gründung einer Investmentfirma) eine Vermittlungsprovision in Millionenhöhe in Aussicht.

Die Ibiza-Maklerin wurde auch immer wieder mit Drogen in Zusammenhang gebracht und eine Spur führt erneut in den Balkan. Wie www.kosmo.at berichtete, stellte sich im Jänner 2020 ein serbischer Chauffeur der Polizei, der für eine Frau aus dem „Ibiza-Umfeld“ (Irena Markovic) arbeitete. Sein Geständnis sollte Ibizagate und einige Drogenskandale innerhalb der Wiener Szene umfassen. Seine Arbeitgeberin soll den Fahrer dazu angewiesen haben, Kokain zu kaufen sowie Aufträge auszuführen, die in Verbindung mit Drogenlieferungen stehen.

Auf den von Markovic ausgerichteten Luxus-Partys standen den Prominenten alle Arten von Drogen zur freien Verfügung. Auch der ehemalige FPÖ-Politiker Johann Gudenus zählte zu den Stammgästen, die gern Rauschmittel konsumierten. Wie www.krone.at berichtete, ging Irena Markovic in den höchsten FPÖ-Kreisen rund um HC Strache ein und aus. Daher kommt es nicht überraschend, dass die Ibiza-Maklerin Beziehungen mit Johann Gudenus und Heinz-Christian Strache hatte. www.oe24.at schrieb wiederum unter Berufung auf einen ungenannten „Insider“: „Es war blanker Hass. Die Luxus-Immobilienmaklerin M. tobte, nachdem sie zuerst von Johann Gudenus und später auch von Heinz-Christian Strache abserviert worden ist.“

Dass die Inhaberin der Immobilienkanzlei Lifestyle Properties ein Faible für Prominente und Politiker hat, ist offensichtlich. Im Rahmen einer Veranstaltung im Palais Epstein im September 2015 lernte Markovic den Präsidenten der Republika Srpska, Milorad Dodik, kennen und zeigte sich auf einem Twitter-Foto sehr begeistert von ihm.

Die von Irena Markovic veranstalteten Clubbing-Reihen waren für das Liebesglück von Johann Gudenus, der eine Affinität zum Balkan hat, ausschlaggebend:  Auf einer der Luxus-Partys stellte die Immobilienmaklerin dem ehemaligen FPÖ-Politiker seine zukünftige Frau vor: Tajana Tajcic. Sie stammt aus der Republika Srpska und zog Ende 2007 nach Wien – ohne jegliche Deutschkenntnisse. Der Berichterstattung auf www.news.at zu entnehmen, heirateten Johann Gudenus und Tajana im Mai 2017  kirchlich in der Hauptstadt der Republika Srpska, Banja Luka, nach traditionell serbisch-orthodoxem Ritus. Zu den Festgästen gehörte der Staatspräsident Milorad Dodik, der zuvor den Völkermord von Srebrenica geleugnet hatte.

Was die Ibiza-Affäre angeht, so war Tajana als Gattin von Johann Gudenus von Anfang an in das Geschehen involviert, das heißt, sie nahm an allen Vorab-Treffen mit Julian Hessenthaler und der falschen Oligarchennichte teil. Auch an jenem verhängnisvollen Abend im Juli 2017 war sie in der Finca auf Ibiza mit von der Partie und erwies sich als aufmerksame Beobachterin, wie Der Standard berichtete. Sie wurde misstrauisch und brachte diese Skepsis auch zum Ausdruck. „Kann das eine Falle sein?“, soll sie in der unveröffentlichten Langfassung des berühmten Videos sagen. Dennoch reden sich ihr Ehemann und Strache in alkoholgeschwängerter Atmosphäre um Kopf und Kragen. (www.derstandard.at/story/2000103509510/johann-gudenus-der-engste-vertraute-ist-straches-sargnagel)

Gemäß den Veröffentlichungen im Kurier Mitte Juni 2020, finden sich im Zwischenbericht der Soko Ibiza brisante Videoaufnahmen von Johann Gudenus, die ihn beim zweimaligen Kokainkonsum zeigen; auf den publizierten Bildern ist der Ex-FPÖ-Klubobmann in einschlägiger Pose über ein Tischchen gebeugt zu sehen. Am 13. April 2017 – also drei Monate vor dem Ibiza-Dreh – kam es in einer Privatwohnung in Wien-Landstraße zu einem Treffen zwischen Johann Gudenus, dem mutmaßlichen Videohersteller und Detektiv Julian Hessenthaler sowie der Ibiza-Maklerin Irena Markovic; von dem Treffen wurden vier kurze Videos erstellt. Bei einer weiteren Zusammenkunft zwei Wochen später, Ende April 2017, wurde Gudenus dann beim zweimaligen Kokainkonsum im Wiener Luxushotel Sofitel gefilmt. Jedes Mal war auch seine Frau Tajana anwesend. (https://kurier.at/politik/inland/ibiza-causa-bilder-zeigen-johann-gudenus-beim-mutmasslichen-drogenkonsum-war-er-erpressbar/400942184)

Wie die Recherchen zeigen, tauchen mafiöse Netzwerke aus dem Balkan immer wieder in Zusammenhang mit Politaffären, Erpressung, illegalem Glücksspiel, Drogenhandel und Korruption auf. Zweifelsohne steht fest, dass die kriminellen Geheimbünde aus Südosteuropa die österreichische Politik wesentlich lenken und mitbestimmen. Wien wurde zum Schauplatz der Blutrache-Fehde zweier montenegrinischer Drogen-Clans, die ein Todesopfer forderte; genau zwischen diesem Auftragsmord im Milieu der Rauschgiftmafia und den Schlüsselfiguren des Ibiza-Skandals besteht eine Verbindung. Daher kann es kein Zufall sein, dass der Privatdetektiv Julian Hessenthaler, der mit diesen Mafia-Clans aus Montenegro kooperierte, ausgerechnet zwei FPÖ-Politiker zum Sturz brachte, die loyal gegenüber serbischen Nationalisten und der Republika Srpska sind. Hier stellt sich nun die berechtigte Frage, ob der größte politische Skandal in der jüngsten österreichischen Geschichte – Ibizagate – in Wirklichkeit ein Ringen um Macht und Einfluss in der Alpenrepublik zwischen konkurrierenden Drogen- und Mafia-Kartellen aus Serbien und Montenegro ist. Eine Tatsache liegt klar auf der Hand: Die Balkan-Mafia hat den österreichischen Staat fest im Griff.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"